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Dienstag, 26. Januar 2010
'Manche Städter übersehen allzu schnell die Abhängigkeit von der Natur'
Oberbürgermeisterin Petra Roth beim Jubiläum des Landwirtschaftlichen Vereins

(pia) Vor genau 150 Jahren haben sich im Frankfurter Landwirtschaftlichen Verein Landwirte aus Frankfurt und Umgebung sowie Fachleute aus Industrie und Verwaltung zusammengeschlossen, um ein Bindeglied zwischen landwirtschaftlichen und städtischen Interessen zu schaffen. Der Dialog zwischen der großstädtischen Bevölkerung und den verbliebenen Landwirten steht bis heute im Mittelpunkt der Vereinsarbeit.

Mit einer Feierstunde im historischen Kaisersaal des Römer begingen die Landwirte und ihre Freunde am heutigen Dienstag ihr Jubiläum. Als Gratulanten hatten sich Hessens Ministerpräsident Roland Koch und Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth angesagt. In ihrer Ansprache verwies das Stadtoberhaupt auf die Tatsache, dass rund ein Viertel der Fläche dieser Finanz- und Handelsmetropole - und damit ein Gebiet der Gesamtgröße von Städten wie Erfurt oder Münster - landwirtschaftlich genutzt werde. Dies sei nicht nur eine statistische Größe; vielmehr könnte so die Stadtbevölkerung mit frischen und gesunden Nahrungsmitteln versorgt werden, die auf kurzen und damit umweltfreundlichen Wegen auf die Märkte gelangen.

Die Oberbürgermeisterin würdigte insbesondere die Informationsarbeit des Vereins, die den Bewohnern des Ballungsgebietes Wissen über Erzeugung, Bedeutung und Verwendung natürlicher Nahrungsmittel nahe bringe. Es gehöre zum Bildungskanon, "anschaulich zu vermitteln, dass die Milch nicht aus dem 'Tetra Pak' kommt, sondern von einem Lebewesen stammt". Es müsse der jungen Generation vermittelt werden, "dass es auch noch etwas anderes gibt als Designer-Nahrungsmittel". Sie trete deshalb für Ernährungskunde in Kitas und Grundschulen ein.

Nicht nur mit dem Erhalt einer stadt- und zugleich naturnahen Landwirtschaft habe Frankfurt bewiesen, dass Ökologie und Großstadt keine Widersprüche seien, betonte Frau Roth. Sie verwies auf das städtische Engagement beim Bau von Passivhäusern, alternative Kraftwerke beim lokalen Energieversorger und modernste Filter für die Busflotte. Damit und mit dem Erwerb der Thüga-Anteile habe man Voraussetzungen geschaffen, regenerative Energiequellen stärker als bisher einzusetzen. Auch im neuen Jahrzehnt werde der Schwerpunkt auf dem kommunalen Engagement für die Nachhaltigkeit der Stadt liegen, wobei Institutionen wie dem Landwirtschaftlichen Verein eine zentrale Rolle zukomme, schloss die Oberbürgermeisterin.

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