Donnerstag, 24. September 2009
"Walter Wallmann ist ein Ausnahmepolitiker – und er ist ein Geschenk für Frankfurt!"
Rede von Oberbürgermeisterin Roth zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Dr. Walter Wallmann, Ministerpräsident a.D.
Es gilt das gesprochene Wort.
Sagen wir es ohne Umschweife: Dr. Walter Wallmann, promovierter Jurist, ist ein politisches Urgestein und einer der ganz Großen: langjähriger Oberbürgermeister einer der wichtigsten deutschen Städte, erster Umweltminister in Deutschland, erster christdemokratischer Ministerpräsident in Hessen.
Ein herausragender, ein einzigartiger Lebensweg, bestimmt durch seine außerordentliche Persönlichkeit! Bei Walter Wallmann verbinden sich in beeindruckender Weise visionäre Kraft, intellektuelle Energie, Sensibilität für gesellschaftliche Nuancen mit einem Verständnis für große Zusammenhänge.
Walter Wallmann ist ein Ausnahmepolitiker – und er ist ein Geschenk für Frankfurt! Diese Stadt hat Ihnen, sehr geehrter Dr. Wallmann, viel, ja, sehr viel, zu verdanken:
Sie haben Frankfurt – eine traditionsreiche geschichtsträchtige Stadt, die in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts unter einem denkbar schlechten Ruf litt, rehabilitiert. Sie haben Frankfurts Seele geheilt.
Sie haben Frankfurt, der Stadt, in der die Wunden der Zerstörung nur dürftig durch eine notgedrungen rein funktionale Stadtplanung und Architektur verdeckt waren, sein Herz zurückgegeben – ein urbanes Herz, das heute vitaler schlägt, denn je!
Ihre Planungspolitik gründete auf der Einsicht, dass eine Stadt für ihre Bewohner nur Heimat sein kann, wenn den Bürgern Möglichkeiten zur Bindung, zur Identifikation geboten werden.
Das war Ihr Verständnis „Kommunaler Selbstverwaltung“.
Mit dieser, damals ganz und gar nicht selbstverständlichen Überzeugung haben Sie abgeleitet aus Ihrem Amtseid, …das Wohl der Stadt zu mehren…“, aus Frankfurt eine überaus urbane Stadt, eine lebendige Metropole gemacht – und das in jeder Hinsicht erfolgreich.
Die Darstellung Ihrer Leistungen wird der Laudator OB a.D. Brück würdigen! Dennoch muss ich einige Ihrer großen Verdienste erwähnen. Denn vieles in dieser Stadt ist aufs Engste mit Ihrem Namen verbunden. Mit der Ostzeile auf dem Römerberg: ist durch Walter Wallmann ein wichtiger Teil der Frankfurter Altstadt wieder entstanden. Denn gerade der Römerberg ist historisch betrachtet, ein Nukleus ältester Frankfurter Identität.
Sie haben den Bürgerinnen und Bürger Frankfurts Identifikation gegeben, Sie haben ihnen gleichsam überzeugend das Selbstbewusstsein vermittelt, Bürger einer international anerkannten Stadt und Teil ihrer liberalen Gesellschaft zu sein!
Liberaler Bürgersinn, der auf der Wertschätzung der Freiheit als höchstem Gut, gründet – kaum jemand in der bundesdeutschen Kommunalpolitik hat ihn je so verkörpert wie Sie. Besonders für die künstlerische Freiheit haben Sie eloquent und juristisch argumentiert!
Der Artikel 5 GG war das Crede Ihrer Politik! Mit der so ausgelegten Liberalität als Oberbürgermeister haben Sie eine urbane, produktive Atmosphäre geschaffen, die Kunst und Kultur, Künstler und Kulturschaffende aufs Gedeihlichste fördert. Ihr originärer Aphorismus dazu lautete Kultur ist das „Ferment der Kommunalpolitik“ – das ist Ihre Botschaft gewesen
und sie ist bis heute sprichwörtlich. Mit konkreten Konzepten, wie dem Museumsufer, haben Sie diese Vision in Bewegung setzenden Kraft der Kultur verwirklicht.
Sehr geehrter Dr. Wallmann, Sie haben begonnen, eine Kulturstadt zu planen, die den europäischen Geist widerspiegelt, denn in dieser Stadt war seit ihrer Gründung europäische Geschichte zu Hause. Der Goethepreisträger 1985 Golo Mann hat gesagt: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Zukunft nicht in den Griff bekommen.“
Mit Ihrem kenntnisreichen Wissen um die Bedeutung der Vergangenheit für die Zukunft einer Stadt haben Sie in hoher moralischer Verantwortung für die Versöhnung, für die Verständigung zwischen Frankfurt und seinen jüdischen Bürgern und ehemaligen jüdischen und nicht jüdischen Bürgern gestritten.
Noch heute ist die gelebte Partnerschaft sichtbarster Ausdruck dieses Engagements: die von Ihnen initiierte Städtepartnerschaft mit Tel Aviv 1980 sowie das Besuchsprogramm für jüdische ehemalige Frankfurter Bürgerinnen und Bürger.
Für diesen über Generationen wirkenden gewichtigen Beitrag zur deutsch-jüdischen Aussöhnung hat Sie die Stadt Frankfurt vor zwei Jahren mit dem Ignatz-Bubis-Preis ausgezeichnet!
Mit dem Namensgeber des Preises verband Sie eine Freundschaft – und die tiefe Überzeugung, dass Politik stets auf ein friedfertiges Miteinander ausgerichtet sein muss! Auf ein Miteinander, das Menschen unabhängig von ihrer Herkunft einschließt und Versöhnung stiftet.
Sie, sehr geehrter Dr. Wallmann haben den Grundstein dafür gelegt, dass Frankfurt heute Heimat für Menschen aus über 180 Nationen ist.
Die Stadt Frankfurt dankt Ihnen heute mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde – der höchsten Auszeichnung, die die städtischen Körperschaften vergeben können. In diesen Dank möchte ich ganz ausdrücklich Ihre Ehefrau einschließen, die stets zu Ihnen stand (was in politischen Berufen nicht problemlos ist) und Sie gestärkt hat.
Lieber Walter Wallmann, meine Rede möchte ich sehr persönlich beschließen: mit Worten des tiefen Dankes für jede Unterstützung, die ich durch Sie erfahren habe und mit meinen besten Wünschen zum Geburtstag – Sie feiern heute Ihren 77.
Herzlichen Glückwunsch!