Donnerstag, 10. Juni 2010
Rede von Frau Oberbürgermeisterin Petra Roth beim Festakt anlässlich des Städtepartnerschaftgipfels
„Es gilt das gesprochene Wort!“
Vor wenigen Minuten hat die Stadt Frankfurt gemeinsam mit ihren Partnerstädten und der Stadt Yokohama die Frankfurter Klimadeklaration im Magistratssitzungssaal unterzeichnet. Das Signal dieser Deklaration ist deutlich: Der Klimaschutz braucht konkrete Verbündete – und das sind wir, die Städte. Die Städte stehen in besonderer Verantwortung für den Klimaschutz, weil hier der Energiehunger am größten ist, weil hier die meisten Menschen leben – nämlich fast die Hälfte der ganzen Erdbevölkerung – und weil sich hier überkommene Gewohnheiten und Denkmuster erfahrungsgemäß am schnellsten wandeln. Ich danke allen Unterzeichnern für Ihr Mittun! Dass wir die Klimadeklaration vereint auf den Weg gebracht haben, ist keine Selbstverständlichkeit. Ihr multilateraler, internationaler Charakter macht sie zu etwas Besonderem, auf das wir stolz sein können. Und es verdeutlicht das erfolgreiche und zukunftsorientierte Miteinander Frankfurts und seiner Partnerstädte. Ein schönes Zeichen, mit dem dieser Festakt, vor allem aber der eigentliche Anlass, nämlich die Partnerschaftsjubiläen eine angemessene Würdigung erfahren. Und damit begrüße ich Sie herzlich im Frankfurter Kaisersaal!
An den Wänden hängen die Portraits aller 52 deutschen Kaiser – auch das von Karl IV., unter dessen Ägide die Goldene Bulle, das Grundgesetz des Heiligen Römischen Reiches entstanden ist. Die Goldene Bulle untersagte den Städten, Städtebünde zu bilden. Dieses Verbot ist sechs Jahrhunderte später vergessen! Heute kooperieren Städte miteinander, sie vernetzen und verschwistern sich. Frankfurt pflegt mit seinen 14 Partnerstädten Freundschaften in die ganze Welt – nach Europa, Nordafrika, Amerika, nach Asien. In diesem Jahr feiern wir sechs runde Geburtstage: mit Lyon, unserem ersten Partner 50 Jahre, mit Mailand 40 Jahre, mit Tel Aviv 30 Jahre und mit Budapest, Prag und Leipzig jeweils 20 Jahre. Zusammengerechnet ergibt das 180 Jahre – 180 Jahre partnerschaftliche Zusammenarbeit, gelebtes und engagiertes Miteinander. Unsere Partnerschaftsgeschichte hat über all die Jahre eines deutlich gemacht: Städtepartnerschaften sind kein Selbstzweck. Denn es waren und sind neben der völkerverbindenden Idee sehr konkrete Motive, die unsere Zusammenarbeit begründen. Der Zusammenhang liegt auf der Hand: Städte suchen den Erfahrungsaustausch, weil sich Probleme gemeinsam leichter lösen lassen
und damit die drei zentralen Herausforderungen – Europa, Globalisierung und der in allen Städten dynamische soziale Wandel – besser gemeistert können. Der Handlungsdruck für die Städte wächst – auf der ganzen Welt – und damit die Notwendigkeit zu kooperieren. So haben sich im letzten Jahr erstmals Akteure
der Seniorenarbeit aus Tel Aviv und Frankfurt getroffen, um eine Zusammenarbeit zu begründen. Mit Krakau gibt es bereits seit fast zehn Jahren eine Sozialpartnerschaft,
in deren Mittelpunkt vor allem Fragen der Daseinsvorsorge stehen. Mit unserer Partnerschaft Guangzhou arbeiten wir in einem besonderen Projekt für geistig Behinderte zusammen. Wir wollen unsere Zusammenarbeit um neue Dimensionen anreichern. Zum Beispiel im Bereich e-Government, ein Instrument, das in enormem Maß demokratische Prozesse fördern kann. Frankfurt würde sich freuen, wenn wir uns hier insbesondere mit Guangzhou zusammentun.
Städtepartnerschaften sind eine zukunftsfähige Institution, wenn es uns immer wieder gelingt, sie mit Leben zu füllen.
In diesem Sinne danke ich Ihnen allen herzlich, die Sie aus unseren Partnerstädten in so großer Zahl unserer Einladung gefolgt sind. Die Aktivitäten, die in diesen Tagen mit Ihrer Mitwirkung und Unterstützung in Frankfurt stattfinden – die Iluminierung des Oktogonbrunnens im Palmengarten, die Lyon geschenkt hat, die Ausstellung „Raggi Verde“, die Mailand beisteuert, das Wandgemälde in der Konstablerwache mit Bildwerken Lyoner Künstler, die sechs Straßenbahnwagen, die auf die Namen unserer Partnerstädte Mailand, Lyon, Tel Aviv, Budapest, Leipzig und Toronto getauft werden (die Namen anderer Partnerstädte werden folgen) – sie alle belegen, wie nachhaltig und vital die Beziehungen zwischen unseren Städten sind.
Ich wünsche unserem Städtegipfel, unserem Geburtstagsfest gutes Gelingen!
Happy Birthday, Partner!
Auf eine gute gemeinsame Zukunft!