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Dienstag, 06. Mai 2008
Übergabe der Baugenehmigung an die Europäische Zentralbank
Ansprache im Rathaus Römer


Es ist heute ein besonderer Tag für Frankfurt. Heute wird ein Meilenstein in der Entwicklung eines der bedeutendsten Bauprojekte unserer Stadt in den vergangenen Jahrzehnten gesetzt. Wir können der Europäischen Zentralbank die Baugenehmigung für ihr geplantes Hochhaus auf dem Grundstück der Großmarkthalle überreichen. Damit erhält sie das Recht ihre Pläne, wie sie eingereicht und zusammen mit der gesondert bei der Stadt eingerichteten Koordinierungsruppe-EZB bearbeitet wurden, zu verwirklichen. Mit der Fertigstellung der Baugenehmigung ist die letzte Hürde vor Beginn der Bauarbeiten genommen. Sie ist der rechtliche Startschuss und jetzt können Bagger und Baukräne anrollen und das Hochhaus, das es bisher nur auf Plänen gibt, Wirklichkeit werden lassen.
Der Neubau der EZB hat große strategische Bedeutung für Frankfurt. Denn er ist ein Bekenntnis der europäischen Währungshüter zu ihrem Standort. Wer baut, bleibt. Und das ist für das Finanzzentrum Frankfurt von nicht zu überschätzender Bedeutung. Dies gilt besonders in unserer Zeit der Globalisierung, in der Einrichtungen und Unternehmen aufgrund von übergeordneten Entscheidungen oft innerhalb kürzester Zeit den Standort wechseln.
Eine der wichtigsten europäischen Institutionen bindet sich mit diesem Neubau noch mehr an unsere Stadt. Sie gehört zu Frankfurt wie der Main. Die EZB ist ein Herzstück unseres Finanzstandortes. Das Herz pocht und hält den Blut- oder in diesem Fall den Geldkreislauf aufrecht. Das Finanzgeschehen mag immer wieder die Gewichte innerhalb der großen Finanzplätze verschieben, sei es durch Investitionen, durch Fusionierungen oder durch Innovationen. Aber die EZB gibt dem Gewicht Frankfurts in der Finanzwelt dauerhaft Stabilität. Sie trägt wesentlich zur langfristigen Sicherung des Finanzplatzes Frankfurt bei. Und ich als Oberbürgermeisterin muss mich natürlich auch immer mit den langfristigen Perspektiven der Stadt beschäftigen.
Aber die Bedeutung für Frankfurt liegt noch in einem anderen Aspekt. Wir erhalten eines der spannendsten und spektakulärsten Hochhäuser der neuen Hochhausgeneration, das von den außergewöhnlichen Architekten von CoopHimmelblau – und seinem Designprinciple Prof. Wolf Prix - entworfen wurde. Der elegante, wie ein Segel aufgespannte und in sich verdrehte Baukörper im Osten bereichert unsere berühmte Skyline und wird sicher auch architektonisch zu einem weiteren Wahrzeichen und zu einer zusätzlichen Touristenattraktion. Denn Frankfurt zeichnet sich innerhalb Europas nicht nur durch die größte Konzentration von Hochhäusern aus, sondern auch dadurch, dass die meisten Wolkenkratzer von internationalen Stararchitekten geplant wurden und eine ganz außergewöhnliche Qualität vorweisen können. Wir sind auch in Punkto Hochhäuser ein Qualitätszentrum.
Ein großer Glücksfall ist es aber auch, dass unsere Großmarkthalle in dieses Neubauprojekt integriert werden konnte. Die von Martin Elsässer im Auftrag der Stadt errichtete Großmarkthalle ist ein bedeutendes Baudenkmal, das den Frankfurtern auch sehr ans Herz gewachsen ist. Eine sinnvolle und wirtschaftlich vertretbare Nutzung für einen solchen riesigen Bau zu finden, ist außergewöhnlich schwierig. Die Gefahr war durchaus gegeben, dass der Bau als nutzloses Baudenkmal ein Randdasein führte. Durch die Integration in den Komplex der EZB erhält sie nun eine ganz andere, eine moderne Nutzung und damit natürlich auch eine neue Würdigung. Der Umbau im Innern für die neue Verwendung ist im übrigen auch verbunden mit äußerst aufwändigen Restaurierungsarbeiten an der Außenfront. Das neue
Hochhaus und die alte Großmarkthalle strahlen bald als zwei architektonische Leuchttürme im Osten der Stadt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, um das Ereignis heute zu würdigen, ist die städtebauliche Entwicklung des Ostends. Der Neubau der EZB ist ein ganz wichtiger Mosaikstein in der Entwicklung des gesamten Viertels, das schon seit Jahren einen großen Aufschwung erlebt. In den achtziger Jahren war das Gebiet entlang der Hanauer Landstraße noch ein verlassenes Industrieviertel. Die Betriebe waren weggezogen oder hatten ihre Tore geschlossen und die alten Industriegebäude waren leer. Doch dann haben sich Architekten, Designer und Künstler dort angesiedelt. Später wurde in dem Viertel wieder investiert, moderne Dienstleistungsbetriebe siedelten sich an und Clubs lockten ein ganz neues Publikum in den Osten der Stadt. Das Ostend wurde nach und nach zu einem angesagten Stadtteil.
Die Stadt hat das südliche Ostend mit viel Sanierungsfördermitteln zu einem großstädtischen Stadtquartier mit über 700 Wohnungen und dem Bildungszentrum Ostend entwickelt. Zusätzlich wurden Hauseigentümer beraten und bei der Modernisierung ihrer Häuser unterstützt. Zahlreiche Straßen, sowohl Hauptverkehrsadern als auch Wohnstraßen wurden und werden jetzt hergerichtet, es werden Bäume gepflanzt und Grünanlagen angelegt. Mit der Weseler-Werft wurde der Mainuferpark in erheblichem Umfang nach Osten erweitert. Es ist eine Anlage entstanden, die von den Bürgern inzwischen gut angenommen wird. Vor kurzem wurde auch noch mit der Restaurierung der alten Ladekräne am Main begonnen, die ebenfalls ein Industriedenkmal sind. Dies alles macht das Leben im Ostend angenehmer und schöner.
Zusammen genommen machen diese Aspekte deutlich, warum ich zu Beginn ohne Übertreibung davon gesprochen habe, dass diese Baugenehmigung ein Meilenstein bei der Realisierung eines der wichtigsten Projekte für diese Stadt ist.
Die Baugenehmigung zu erteilen, heißt aber auch; dass ein großer Abschnitt der Arbeit der Stadtverwaltung bei diesem Vorhaben getan ist. Und ich empfinde es als eine beachtliche Leistung, ein so komplexes Vorhaben bei der Bauaufsicht innerhalb kürzester Zeit zu bearbeiten. Das Themenspektrum einer solchen Baugenehmigung reicht von Umweltbelangen, Energieaspekten über Sicherheit, Verkehrsandienung bis zu Statik und Brandschutz, um nur einige der ganz großen Themen zu nennen. Und jedes dieser übergeordnete Themen unterteilt sich noch in nahezu endlos viele Unterpunkte. So weist allein das Thema Brandschutz 800 einzelne Positionen für die Prüfung auf. Und von diesen 800 wurden wiederum 90 Punkte gegenüber der ursprünglichen Planung überarbeitet und zwar einvernehmlich mit der EZB.
Eine so zügige Erstellung der Baugenehmigung war nur möglich, weil es eine ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen der Bauherrenschaft und der Stadt Frankfurt in der Vorbereitung des Bauantrages gegeben hat. Wesentlich gesteuert auch durch unsere Koordinierungsstelle EZB gab es eine schnelle, fruchtbare und kompetente Kommunikation zwischen den Partnern, die zu einem hervorragenden Ergebnis geführt hat, nämlich einer äußerst knappen, nahezu auflagenfreien Baugenehmigung. Nahezu auflagenfrei, da fast alle Anforderungen der Stadt in die Baupläne aufgenommen wurden. Angesichts dieser hervorragenden Leistung möchte ich auch noch einmal daran erinnern, dass auch der Bebauungsplan in rekordverdächtiger Zeit zur Rechtskraft gebracht worden ist.
So bleibt mir nur noch, Ihnen auch viel Erfolg bei den Bauarbeiten zu wünschen und ich hoffe, dass wir uns schon bald zur Grundsteinlegung in dieser Runde wieder sehen werden.

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